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Flüelapass und Julierpass

# Ausgangspunkt **Schmitten**. # Tourdaten * Weglänge: 153.5 km * Höhendifferenz: ↑↓ 3110 Hm

Routenbeschreibung

Eigentlich wollte ich heute nur durchs Flüelatal zur Wintersperre der Flüelapassstrasse bei Tschuggen fahren. Am Schluss wurde aber eine Reise ins Engadin mit Rückkehr über den Julierpass daraus.

Durch die Zügenschlucht nach Davos

Zunächst galt es aber, nach Davos und Tschuggen zu kommen. Unterhalb von Davos Wiesen verliess ich vor dem Eingang des Landwassertunnels die Strasse und fuhr auf der alten Zügenstrasse weiter durch die Zügenschlucht. Im Gegensatz zu unserem letzten Spaziergang zu Fuss war der Schnee inzwischen weitgehend verschwunden und man konnte genüsslich durchfahren, mit Ausnahme einiger kurzer Schiebestellen über heruntergefallene Steine oder Schneeresten.

Bei Schmelzboden traf ich am anderen Ende des Tunnels wieder auf die Hauptstrasse und fuhr weiter nach Davos. Der Verkehr in Davos zirkuliert auf der Promenade und auf der Talstrasse, die beide je in eine Fahrtrichtung für Autos gesperrt sind. Es ist daher immer wieder ein Vergnügen, mit dem Bike mitten im „Kleinformat-Stadtleben” auf der Promenade nach Davos Dorf zu fliegen. Dort bog ich in Richtung Pischa und Flüelapass ab. Hinter den letzten Häuserblöcken hatte ich die Strasse bald praktisch für mich allein, da um diese Zeit nur noch einige herabfahrende Autos mit Skitourengängern unterwegs waren. Ich kam zügig vorwärts, erblickte bald die Talstation der Pischabahn und kam wenige Kilometer später beim Tourenparkplatz vor der Wintersperre bei Tschuggen an.

## Von Tschuggen zum Flüelapass Vorab ein Hinweis: vor der offiziellen Passöffnung im Frühling ist die Flüelapassstrasse hinter der Wegschranke für Fahrzeuge gesperrt. Die Mitarbeiter des Strassenbauamts betonen, dass dieses Fahrverbot ausdrücklich auch für Fahrräder gilt. Skitourengänger und Wanderer mit ihren flachen Latten bzw. Schuhsohlen sind keine Fahrzeuge und dürfen die Passstrasse hinter der Absperrung natürlich frei begehen. Vielleicht nicht mehr ganz so eindeutig ist, was für die ebenfalls angetroffenen Kinderwagen gilt. Klar ist jedoch: für die Unglücklichen mit einem Fahrrad ist die Weiterfahrt zum Flüelapass strengstens verboten. Persönlich würde es mir nie einfallen, mich über solche Vorschriften hinwegzusetzen. Deshalb schob ich ab Tschuggen selbstverständlich mein Bike auf dem ganzen Weg in Richtung Passhöhe zu Fuss. Dies ging erstaunlich gut: auf den ersten Kilometern in Richtung **Wägerhus** war die Strasse schon komplett schneefrei. Danach nahmen die Häufigkeit der Schneereste zu, je höher ich kam. Jedoch gab es bis auf Höhe Wägerhütte stets einen schneefreien Durchgang zwischen den Schneeflecken. Auch danach und noch weiter oben musste ich nur an einzelnen Stellen ein paar Schritte durch den Schnee gehen, bis ich die „Zielgerade” auf dem letzten Kilometer zur Passhöhe erreichte. Hier war die Strasse nun komplett schneebedeckt und mit dem Bike wäre hier auch kein Durchkommen mehr gewesen. Die dünne Schneeschicht war zu Fuss aber weiterhin gut begehbar und so erreichte ich tatsächlich das Flüela-Hospiz auf der Passhöhe. ## Vom Flüelapass nach Susch im Engadin Mit jedem Meter zur Passhöhe stieg meine Hoffnung, dass die Passstrasse vielleicht auch auf der anderen Seite ins Engadin schneefrei und begehbar wäre. Und tatsächlich: von Süden her hatte eine Schneefräse die Passhöhe bereits einmal erreicht und einen stellenweise nur einspurigen Durchgang durch die Schneemassen bis auf den Strassenbelag freigeräumt. Ich war hell begeistert, stand mir damit doch tatsächlich der Weg ins Engadin offen. Ich zögerte nicht lange und machte mich auf die Socken. Bergab ging das Schieben des Bikes natürlich wesentlich zügiger und im Laufschritt überwand ich Kurve um Kurve auf der Passstrasse durchs **Val Susasca** hinab nach **Susch**. Auf Höhe des Val Fless verschwanden die letzten Schneereste. Dafür musste ich aufpassen, nicht über vereinzelte Ansammlungen von herabgefallenen Steinbrocken auf der Strasse zu stolpern. Kurz vor Susch traf ich in einer schattigen Kurve nochmals auf eine prekäre Stelle, wo die Fahrbahn auf einem Teilstück vollständig von Blankeis bedeckt war. Danach erreichte ich die Strassensperre bei Susch, hinter der ich endlich wieder aufs Bike steigen und die Fahrt auf zwei Rädern fortsetzen konnte.

Von Susch durchs Engadin nach Silvaplana

Ich legte die Etappe zwischen Susch und Zernez auf dem offiziellen und vollständig schneefreien Radweg zurück. In Zernez war den verschneiten Hängen schon anzusehen, dass Schnee auf den Waldwegen nicht mehr auszuschliessen war. Um Zeitverlust und nasse Füsse zu vermeiden, wechselte ich daher in Zernez auf die Hauptstrasse in Richtung St. Moritz.

Die Fahrt durchs Oberengadin kam mir heute zäh und unendlich langsam vor, was sicher auch dem lästigen Malojawind von vorne geschuldet war. Es ging eine gefühlte Ewigkeit, bis ich an Zuoz vorbeikam und nochmals eine bis La Punt und Bever. Seit Zuoz war ich wieder auf dem geteerten Radweg neben der Strasse unterwegs, der sich ab La Punt dann aber leider in eine Schlammpiste verwandelte. So verliess ich ihn bei Bever und fuhr dort stattdessen ins Dorf hinein, um auf den Seitenstrassen weiter nach Samedan, Celerina und St. Moritz zu gelangen. In Celerina wurde ich durch eine Baustelle abgelenkt, verpasst dadurch den richtigen Weg und landete erneut auf einer Radweg-Schlammpiste, die beim St. Moritzersee und in unmittelbarer Nähe vom Bahnhof endete.

Über den Julierpass nach Hause

Schon seit geraumer Zeit hatte sich in meinem windumtosten Kopf der Gedanke breitgemacht, nicht etwa bequem mit dem Zug vom St. Moritz aus in Richtung Filisur heimzufahren, sondern trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit und der emporkriechenden Kälte noch den Julierpass in Angriff zu nehmen. Der nächste Zug würde sowieso erst in einer Stunde fahren und in der Zeit könnte ich noch nach Silvaplana am Fuss der Julierpassstrasse fahren und gegebenenfalls immer noch nach St. Moritz zurückkehren.

Es gelang mir trotz aller Mühe nicht, diese unvernünftige Idee aus dem Kopf zu jagen und so fand ich mich bereits auf dem Radweg durch St. Moritz Bad in Richtung Silvaplana wieder. Bei Champfèr wurde er erneut zur Schlammpiste und folgte zunächst der Inn, dann dem Ufer des verschneiten Silvaplanersees. Auch wenn es hier im Tal schon frühabendlich aussah, schien der Julierpass weiter oben doch noch in der Sonne zu liegen. Ich glaubte mich zudem zu erinnern, dass mir der Aufstieg von Silvaplana aus bei meinem letzten Versuch gar nicht so mühsam vorgekommen war. Und schon kurbelte ich über den Häusern von Silvaplana bergwärts.

Die Fahrt auf der Passstrasse im Abendlicht war malerisch schön. Ich kam auf der nicht allzu steilen Rampe zügig vorwärts, da von Silvaplana kommend tatsächlich nur knapp 500 Höhenmeter zu bewältigen waren. Überglücklich, dass meine wahnwitziger Plan von Erfolg gekrönt war, machte ich mich im nunmehr stürmischen und kalten Gegenwind sogleich an die Abfahrt nach Bivio. Je nach Kurvenrichtung musste ich hier noch bergab in die Pedale treten und aufpassen, nicht von der Strasse geweht zu werden. Ich hielt mehrmals an, um mich wieder kurz zu sammeln und den angesammelten Autostau an mir vorbeirasen zu lassen.

Endlich im Dorf Bivio angekommen, erblickte ich das Postauto nach Tiefencastel mit montierten Biketrägern. Dies wäre meine zweite Chance auf eine problemfreie Heimkehr heute gewesen, aber ich liess auch sie verstreichen. Stattdessen fuhr ich im Eiltempo im immer schattiger werdenden Tal vorbei am Marmorera-Stausee, an Sur und Rona, bis sich die Landschaft wieder öffnete und den Blick auf Savognin und die vertrauten Bergüner Stöcke freigab. Von hier war es nicht mehr weit bis nach Tiefencastel (wenngleich ich froh war, den mir unheimlichen Autotunnel kurz davor in Abwärtsrichtung und schnell durchqueren zu können). Weiter ging es mit Blick auf die immer noch in der Sonne liegende Muchetta durchs Albulatal nach Alvaneu Bad und Dorf. Diesen letzten Teil kannte ich auswendig und hatte ihn auch schon mal völlig erschöpft und in der Dunkelheit befahren, sodass ich jetzt nicht ganz so erschöpft und noch im Tageslicht entspannt und stressfrei heimwärts kurbeln konnte.

Fotos (Davos)

# Fotos (Flüelapass)

Fotos (Engadin)